Wien
Kaiserzeit, Kunst und der älteste Zoo der Welt
Wien zeigt sich als Stadt der überlagerten Epochen: barocke Prachtbauten der Habsburger, gründerzeitliche Ringstraßenarchitektur und mittendrin ein Zoo, der älter ist als die Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Streifzug durch Innenstadt, Ring und Donauraum.
Naschmarkt & Museumsquartier
Der Naschmarkt, Wiens bekanntester Markt, geht auf einen einfachen Milch- und Obstmarkt des 16. Jahrhunderts zurück und entwickelte sich über die Jahrhunderte zum großen, mehrere hundert Meter langen Lebensmittelmarkt, den er heute darstellt. Unweit davon liegt das Museumsquartier, eines der größten Kulturareale der Welt: 2001 in den ehemaligen kaiserlichen Hofstallungen eröffnet, vereint es unter anderem das Leopold Museum und das MUMOK unter einem gemeinsamen Dach historischer und moderner Architektur.
Naturhistorisches Museum & Hofburg
Das Naturhistorische Museum, 1889 eröffnet, bildet gemeinsam mit dem baugleichen Kunsthistorischen Museum gegenüber ein symmetrisches Ensemble am Maria-Theresien-Platz. Zu seinen bekanntesten Exponaten zählt die Venus von Willendorf, eine rund 29.500 Jahre alte Steinzeitfigur.
Die Hofburg, über Jahrhunderte hinweg gewachsene Residenz der Habsburger, diente vom 13. Jahrhundert bis zum Ende der Monarchie 1918 als Regierungssitz des Kaiserreichs. In der angeschlossenen Kapuzinergruft liegen seit 1633 die sterblichen Überreste von mehr als 150 Mitgliedern der Habsburgerfamilie, darunter Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz Joseph I.
Kuppel im Naturhistorischen Museum.
Innenstadt: Pestsäule & Stephansdom
Die Pestsäule am Graben wurde 1693 vollendet und erinnert an das Ende der großen Pestepidemie von 1679, der schätzungsweise ein Drittel der Wiener Bevölkerung zum Opfer fiel. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich der Stephansdom, das Wahrzeichen der Stadt: Die heutige gotische Kirche entstand größtenteils im 14. und 15. Jahrhundert über den Fundamenten eines romanischen Vorgängerbaus, ihr charakteristisch gemustertes Dach aus rund 230.000 glasierten Ziegeln wurde nach schweren Kriegsschäden in den 1950er Jahren originalgetreu wiederhergestellt.
Stadtpark, Oper & Burggarten
Der Spaziergang entlang der Ringstraße, jener 1857 unter Kaiser Franz Joseph I. anstelle der geschleiften Stadtmauern angelegten Prachtstraße, führt am Stadtpark vorbei, dessen bekanntestes Denkmal die vergoldete Statue des Walzerkönigs Johann Strauss ist. Weiter Richtung Wiener Staatsoper, 1869 eröffnet und eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt, liegt der Burggarten mit seinem Palmenhaus aus der Zeit um 1900 — ein filigraner Jugendstilbau aus Glas und Stahl.
Wiener Burgtheater
Volksgarten, Parlament & Rathaus
Der Volksgarten, ein 1823 als erster öffentlicher Park Wiens angelegter Garten, liegt unmittelbar neben dem Parlamentsgebäude, das 1883 im Stil eines griechischen Tempels errichtet wurde — ein bewusster Verweis auf die Wiege der Demokratie. Vorbei am Burgtheater, der 1888 an ihrem heutigen Standort eröffneten Hofbühne, führt der Weg zum Wiener Rathaus, einem neugotischen Prachtbau von 1883, dessen Innenhöfe für Veranstaltungen genutzt werden und der bis heute mit einem der letzten in Betrieb befindlichen Paternoster-Aufzüge Wiens ausgestattet ist.
Wiener Rathaus
Narrenturm & Universität
Beim Alten AKH liegt der Narrenturm, ein 1784 unter Kaiser Joseph II. errichtetes, rundes Gebäude, das als eine der ersten eigenständigen Einrichtungen für psychisch Erkrankte in Europa gilt. Heute beherbergt der Turm das Pathologisch-Anatomische Bundesmuseum mit einer umfangreichen Sammlung medizinhistorischer Präparate.
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Der Prunksaal, Herzstück der Österreichischen Nationalbibliothek, wurde zwischen 1723 und 1726 unter Kaiser Karl VI. als barocke Hofbibliothek errichtet. Mit seiner rund 80 m langen Halle, dem Deckenfresko von Daniel Gran und den historischen Bücherbeständen zählt er zu den prächtigsten Bibliotheksräumen der Welt.
Bücherregal in der Nationalbibliothek
Michaelerkirche & Karlskirche
Die Michaelerkirche gegenüber dem Michaelertor der Hofburg geht in ihrem Kern auf das 13. Jahrhundert zurück und ist damit eine der ältesten Kirchen der Stadt. Die Karlskirche am Karlsplatz wiederum wurde nach einem Gelübde Kaiser Karls VI. während der Pestepidemie von 1713 errichtet und zeigt mit ihrer Kombination aus Kuppel, Portikus und zwei Triumphsäulen einen der eigenwilligsten Barockbauten Europas.
Karlskirche.
Tiergarten Schönbrunn
Der Tiergarten Schönbrunn wurde 1752 von Kaiser Franz I. Stephan als kaiserliche Menagerie gegründet und gilt damit als ältester noch bestehender Zoo der Welt. Ursprünglich diente die sternförmige Anlage rund um den zentralen Pavillon der höfischen Repräsentation; heute verbindet der Zoo historische Bausubstanz mit modernen, tiergerechten Gehegen und ist unter anderem für seine Große Panda-Zucht bekannt. Zum Areal gehören außerdem das Wüstenhaus mit nordafrikanischer und arabischer Fauna sowie ein eigenes Palmenhaus.
Palmenhaus beim Tiergarten Schönbrunn
Schloss Schönbrunn & Gloriette
Schloss Schönbrunn, die einstige Sommerresidenz der Habsburger, entstand in seiner heutigen Form maßgeblich unter Maria Theresia Mitte des 18. Jahrhunderts und zählt seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der weitläufige Schlosspark steigt hangaufwärts zur Gloriette an, einem 1775 errichteten klassizistischen Triumphbau, der als Aussichtspunkt konzipiert wurde und einen weiten Blick über Schloss, Park und die Stadt dahinter bietet.
Schloss Schönbrunn
Hundertwasserhaus
Das Hundertwasserhaus, 1985 nach Entwürfen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser fertiggestellt, ist ein kommunaler Wohnbau, der bewusst auf gerade Linien und Uniformität verzichtet: unregelmäßige Fassaden, begrünte Dächer und Bodenwellen im Innenhof setzen Hundertwassers Kritik an sterilem, rationalistischem Bauen architektonisch um.
Prater & Wiener Riesenrad
Der Prater, ursprünglich ein kaiserliches Jagdgebiet, wurde 1766 von Joseph II. für die Öffentlichkeit freigegeben und entwickelte sich in der Folge zum bekanntesten Vergnügungspark Wiens. Sein Wahrzeichen, das Wiener Riesenrad, wurde 1897 anlässlich des Kaiserjubiläums von Franz Joseph I. errichtet und war bei seiner Fertigstellung das höchste Riesenrad der Welt — nach Kriegsschäden 1945 originalgetreu wiederaufgebaut, dreht es sich bis heute in gemächlichem Tempo über dem Park.
Wiener Riesenrad
Donauinsel & Donaukanal
Die Donauinsel, im Zuge eines groß angelegten Hochwasserschutzprojekts in den 1970er und 1980er Jahren künstlich aufgeschüttet, erstreckt sich auf rund 21 km Länge zwischen Donau und Neuer Donau und dient den Wienern heute vor allem als Naherholungsgebiet. Der Donaukanal, ein Seitenarm der Donau mitten durch die Stadt, führt vorbei an der Urania, einer 1910 errichteten Volksbildungseinrichtung mit angeschlossener Sternwarte, deren markanter Rundturm bis heute die Kanallandschaft prägt.