Haarlem
Klinkerhäuser, eine Windmühle und ein Gefängnis wie ein Gasometer
Haarlem, nur eine knappe halbe Stunde von Amsterdam entfernt, diente als ruhige Homebase für einen ganzen Streifzug durch Nordholland. Die Stadt selbst braucht sich hinter ihrer berühmteren Nachbarin aber nicht zu verstecken: alte Klinkerfassaden, verwinkelte Gassen ohne Gardinen und eine Windmühle direkt am Fluss.
Grote Markt & Grote Kerk
Der Grote Markt bildet das historische Herz der Stadt, umrahmt von gotischen Giebelhäusern und dem Rathaus. Direkt daneben erhebt sich die Grote Kerk (auch Sint-Bavokerk genannt), eine spätgotische Hallenkirche aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Berühmt ist ihre Orgel von Christian Müller aus dem Jahr 1738, auf der im 18. Jahrhundert sowohl der junge Wolfgang Amadeus Mozart als auch Georg Friedrich Händel gespielt haben sollen.
Amsterdamse Poort
Die Amsterdamse Poort ist eines der wenigen erhaltenen Relikte der mittelalterlichen Stadtbefestigung Haarlems: ein imposanter Backsteinturm aus dem 14. Jahrhundert, der einst den östlichen Zugang zur Stadt kontrollierte und heute recht unvermittelt zwischen modernerer Bebauung am Spaarne-Ufer steht.
Molen de Adriaan
Die Windmühle De Adriaan am Spaarne wurde ursprünglich 1779 errichtet und diente lange der Tabak- und Getreideverarbeitung. Nachdem ein Brand die Mühle 1932 vollständig zerstörte, blieb der Standort jahrzehntelang ungenutzt, bis 2002 eine originalgetreue Rekonstruktion eröffnet wurde — heute ein Wahrzeichen der Stadt und beliebtes Fotomotiv am Fluss.
De Koepel
De Koepel, ein rundes, kuppelförmiges Gebäude, wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Gefängnis nach dem sogenannten Panopticon-Prinzip errichtet — einer Bauform, die zentrale Überwachung aller Zellen von einem einzigen Punkt aus ermöglichte. Nach der Schließung des Gefängnisses wurde das Gebäude, dessen kreisrunde Form tatsächlich an einen Gasbehälter erinnert, zu einem kreativen Mehrzweckgebäude umgebaut: Die einstigen Zellen dienen heute als Co-Working-Spaces, dazu kommen ein Kino sowie Seminarräume, die von der örtlichen Universität genutzt werden.
Frans Hals Museum
Das Frans Hals Museum ist dem in Haarlem tätigen Barockmaler Frans Hals gewidmet, einem der bedeutendsten Porträtmaler des holländischen Goldenen Zeitalters neben Rembrandt und Vermeer. Das Museum ist in einem ehemaligen Altenheim aus dem 17. Jahrhundert untergebracht, dessen ruhiger Innenhof selbst schon einen Besuch wert ist.
Sint-Bavokathedraal
Nicht zu verwechseln mit der protestantischen Grote Kerk ist die katholische Sint-Bavokathedraal, ein imposanter neugotischer Bau, der zwischen 1895 und 1930 nach Plänen des Architekten Joseph Cuypers errichtet wurde. Sie ist Sitz des Bistums Haarlem-Amsterdam und mit ihren Türmen eines der markantesten Bauwerke der Stadt.
Wochenmarkt & Stroopwafels
Der Wochenmarkt auf dem Grote Markt ist fester Bestandteil des Haarlemer Alltags und bietet neben regionalem Obst und Gemüse auch frisch gebackene Stroopwafel — jene dünnen, mit Sirup gefüllten Waffeln, die ursprünglich aus der Region Gouda stammen, inzwischen aber landesweit als niederländische Spezialität gelten.
Haarlem zeigt sich als das ruhigere, aber keineswegs weniger sehenswerte Gegenstück zu Amsterdam: eine Windmühle, die aus der eigenen Asche wiederaufgebaut wurde, ein Gefängnis, das heute Studierende statt Gefangene beherbergt, und Wohnstraßen, in denen man ganz selbstverständlich bis in die Gärten hineinschauen darf.