Rotterdam

Wiederaufbau, schiefe Häuser und der höchste Turm der Niederlande

Rotterdam ist anders als jede andere niederländische Stadt: Nach der fast vollständigen Zerstörung der Innenstadt im deutschen Bombenangriff von 1940 entstand hier eine Architektur, die sich radikal von der historischen Kanalstadt-Ästhetik des restlichen Landes unterscheidet — schiefe Würfelhäuser, eine schwanenweiße Brücke und der höchste Aussichtsturm der Niederlande.

Maritim Museum & Erasmusbrücke

Das Maritiem Museum mit seinem angeschlossenen Museumshafen dokumentiert die jahrhundertealte Bedeutung Rotterdams als einer der größten Seehäfen der Welt. Nur wenige Schritte entfernt überspannt die Erasmusbrücke die Nieuwe Maas: eine 1996 eröffnete Schrägseilbrücke mit einer Gesamtlänge von 802 m und einem 139 m hohen Pylon. Ihre markante weiße Form brachte ihr im Volksmund den Spitznamen „De Swan" (der Schwan) ein; eine 89 m breite Klappbrücke im mittleren Abschnitt ermöglicht auch großen Schiffen die Durchfahrt.

Erasmusbrücke im Sonnenaufgang

Kubuswoningen

Die Kubuswoningen, 1984 vom Architekten Piet Blom entworfen, gehören zu den ungewöhnlichsten Wohnhäusern der Welt: 38 würfelförmige Häuser, jeweils um 45 Grad gekippt auf sechseckigen Betonpfeilern balanciert. Bloms Idee dahinter war die Vorstellung eines „Waldes" aus Häusern, bei dem jeder Würfel symbolisch für einen Baum steht. Eines der Häuser ist als Museumshaus für Besucher zugänglich und vermittelt einen Eindruck vom eigenwilligen Wohnalltag zwischen schrägen Wänden.

Kubuswoningen

Markthal

Die 2014 eröffnete Markthal ist eine hufeisenförmige Markthalle, über der sich mehrere Stockwerke Wohnungen wölben, deren Fenster teilweise direkt auf die Marktstände darunter blicken. Die gewölbte Decke der Halle ist mit einem riesigen digitalen Kunstwerk namens „Horn des Überflusses" des Künstlers Arno Coenen bedruckt — mit rund 11.000 m² eines der größten Kunstwerke Europas.

Markthal

Euromast

Der Euromast, ursprünglich 1960 zur Floriade-Gartenausstellung errichtet, ist mit heute 185 m Höhe der höchste Aussichtsturm der Niederlande — die zusätzliche Höhe kam 1970 durch den Aufsatz des sogenannten „Space Tower" hinzu. Ein sich langsam drehender Außenaufzug führt hinauf zur obersten Plattform und bietet dabei einen 360-Grad-Rundblick über die gesamte Stadt, den Hafen und weite Teile Südhollands.

Ausblick vom Euromast auf die Erasmusbrücke

Maastunnel

Der Maastunnel, 1942 eröffnet, führt Fußgänger, Radfahrer und Autoverkehr auf mehreren getrennten Ebenen unter der Nieuwe Maas hindurch — ein technisches und architektonisches Zeugnis der niederländischen Ingenieurskunst der 1930er Jahre, das nicht zufällig an vergleichbare Flusstunnel wie den Alten Elbtunnel in Hamburg erinnert.

Eingang Maastunnel

Hotel New York & De Hef

Auf der Halbinsel Kop van Zuid steht das Hotel New York, das ehemalige Hauptgebäude der Holland America Line, zwischen 1901 und 1917 im Jugendstil mit Art-déco-Elementen errichtet. Als eines der wenigen Gebäude, die die Zerstörung von 1940 überstanden, bildet es bis heute einen deutlichen Kontrast zur überwiegend modernen Nachkriegsarchitektur der Innenstadt. In Sichtweite liegt außerdem De Hef, eine 1927 errichtete Hubbrücke über den Koningshaven, die zwar seit den 1990er Jahren nicht mehr für den Bahnverkehr genutzt wird, aber als technisches Denkmal erhalten geblieben ist.

Hotel New York zwischen Hochhäusern

Rotterdam erzählt, anders als die meisten niederländischen Städte, vor allem eine Geschichte des Wiederaufbaus: aus der fast vollständigen Zerstörung von 1940 entstand eine Stadt, die sich traute, schiefe Würfelhäuser und einen drehenden Aussichtsturm zu bauen, anstatt das historische Stadtbild bloß zu rekonstruieren.

—> Bilder Rotterdam in der Gallery

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