Miyajima (宮島)

Die heilige Insel

Miyajima / Itsukushima (宮島 / 厳島)

Rund 20 km südwestlich von Hiroshima liegt Miyajima, eine 30,33 km² große Insel in der Seto-Inlandsee. Bereits im 17. Jahrhundert zählte der konfuzianische Gelehrte Hayashi Razan sie zu den Nihon Sankei — den drei schönsten Landschaften Japans. Diese Schönheit hat einen sakralen Kern: Miyajima gilt seit jeher als heilige Insel. So heilig, dass es gewöhnlichen Bürgern historisch untersagt war, sie überhaupt zu betreten oder gar auf ihr zu sterben — Geburten und Todesfälle mussten zwingend auf dem Festland stattfinden.

Itsukushima-Schrein (厳島神社)

Der Überlieferung nach erstmals 593 gegründet, erhielt der Schrein seine heutige Form im 12. Jahrhundert unter dem Militärherrscher Taira no Kiyomori. Um die Heiligkeit des Inselbodens nicht zu verletzen, stehen die Schreingebäude auf Stelzen über dem Wasser der Bucht — bei Flut wirken sie, als würden sie auf der Meeresoberfläche schwimmen. Das freistehende Otorii-Tor davor ist eines der bekanntesten Symbole Japans überhaupt und steht seit 1996 auf der UNESCO-Welterbeliste.

Mount Misen (弥山, 535 m)

Der höchste Berg der Insel gilt der buddhistischen Überlieferung nach seit dem 8. Jahrhundert als heilig. Kūkai, besser bekannt als Kōbō Daishi und Gründer des Shingon-Buddhismus, soll hier 100 Tage lang meditiert haben. Das Feuer, das er dabei entzündet haben soll — das Kiekazu no Hi, das „nie erlöschende Feuer" — brennt der Legende nach seither ununterbrochen weiter. Wer den Gipfel erreicht, wird mit einer vollständigen 360°-Rundsicht über die Seto-Inlandsee belohnt.

Daisho-in Tempel (大聖院)

Am Fuß des Misen gelegen, ist der Daisho-in einer der bedeutendsten Tempel des Shingon-Buddhismus — gegründet 806, ebenfalls von Kūkai. Die Treppenwege zum Tempel sind von drehbaren Metallzylindern gesäumt, den Mani-guruma, in die buddhistische Sutren eingraviert sind. Wer sie im Vorbeigehen dreht, hat der Überlieferung nach die gesamte Schrift gelesen — ein kleines, körperliches Ritual mit großer symbolischer Wirkung. In einer Höhle auf dem Tempelgelände sind zudem 88 Symbole ausgestellt, die die berühmte Shikoku-Pilgerroute Ohenro repräsentieren.

Ryokan (旅館)

Der Tag endet standesgemäß in einem traditionellen japanischen Gasthaus: Zimmer mit Tatami-Matten und Futon-Betten, Yukata als Hauskleidung, ein Onsen-Bad und mehrgängige Kaiseki-Ryōri zu Abend- und Morgenessen. Getragen wird all das vom Prinzip des Omotenashi (おもてなし) — einer Form der Gastfreundschaft, die keine Gegenleistung erwartet und gerade dadurch zum Kern der japanischen Dienstleistungsphilosophie wird.

—> Miyashima Bilder in der Gallery

Previous
Previous

Fukuoka (福岡)

Next
Next

Hiroshima (広島)