Kyōto (京都)

Das kulturelle Herz Japans

Kaum eine Stadt in Japan trägt so viel Geschichte auf so kompaktem Raum wie Kyōto. Über tausend Jahre lang war sie Sitz des Kaiserhofs, entging im Zweiten Weltkrieg nur knapp der atomaren Zerstörung und zählt heute mit 17 UNESCO-Weltkulturerbestätten zu den dichtesten Kulturlandschaften der Welt. Vier Tage reichen kaum, um auch nur einen Teil davon zu erfassen — von goldenen und silbernen Pavillons über endlose Torii-Alleen bis zu einem Trockengarten, dessen Steine sich absichtlich nie ganz überblicken lassen.

Shinkansen

Der Kodama ist der langsamste der drei Shinkansen-Typen auf der Tōkaidō-Hauptlinie und hält an jeder Station — gegenüber dem Nozomi etwa doppelt so lange Fahrzeit, dafür mit garantiertem Blick auf den Fuji bei Kilometer 3395 nach Tokio. Der Fuji (3.776 m) ist der höchste Berg Japans, gilt als heiliger Berg und steht seit 2013 als Kulturerbe auf der UNESCO-Liste.

Kyōto (京都)

Von 794 bis 1868 war Kyōto unter dem Namen Heian-kyō Hauptstadt Japans; heute ist es mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die siebtgrößte Stadt des Landes. 17 UNESCO-Weltkulturerbestätten machen Kyōto zum kulturellen Herz Japans. Bemerkenswert: Die Stadt entging im Zweiten Weltkrieg dem Atombombenabwurf — laut verschiedenen historischen Berichten stand sie ursprünglich auf der Zielliste, wurde jedoch gestrichen.

Shōsei-en Garten (渉成園)

Im Besitz des Higashi Hongan-ji-Tempels, im 17. Jahrhundert angelegt, gilt der Shōsei-en als eines der frühen Beispiele eines kaiyū-shiki teien — eines Rundgangsgartens, bei dem ein zentrales Gewässer umwandert wird und sich bei jedem Schritt ein neues Bild ergibt.

Nishiki-Markt (錦市場)

Eine überdachte Einkaufsgasse mit rund 100 Ständen und Läden, seit dem 17. Jahrhundert als Lebensmittelmarkt bekannt. Der Name bedeutet „Brokat" und bezieht sich auf die bunten Auslagen — nicht zufällig wird der Markt heute auch als Kyōtos Küche bezeichnet. Am Ende der Gasse liegt der Nishiki Tenmangū, einem Stier geweiht, der als heiliges Symbol des Kami Tenjin gilt, zuständig für Gelehrsamkeit und Kunst.

Yasaka-Schrein (八坂神社)

Der Überlieferung nach 656 gegründet, gehört der Yasaka-Schrein zu den bedeutendsten Shinto-Schreinen Kyōtos. Geweiht dem Kami Susanoo-no-Mikoto, war er historisch als Gion-sha bekannt — daher der Name des umliegenden Stadtviertels Gion. Das jährliche Gion Matsuri im Juli, eines der drei großen Feste Japans, wird hier seit über 1.100 Jahren abgehalten.

Kiyomizudera (清水寺, „Tempel des reinen Wassers")

Erstmals 778 gegründet, stammt die heutige Anlage von 1633. Der Name bezieht sich auf den Otowa-Wasserfall am Fuß der Haupthalle, dessen drei Rinnsale für Gesundheit, Langlebigkeit und Erfolg stehen. Bemerkenswert ist die Konstruktion der Haupthalle: Sie steht auf einem hölzernen Gerüst aus 139 Säulen — ganz ohne einen einzigen Nagel. Seit 1994 gehört der Tempel zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Mimizuka (耳塚, „Nasengrabhügel")

Ein historisches Mahnmal aus dem 16. Jahrhundert, das eine deutlich düsterere Seite der Geschichte offenlegt. Nach dem japanischen Invasionsfeldzug in Korea (1592–1598) unter Toyotomi Hideyoshi wurden anstelle der schwer transportierbaren Köpfe die Nasen gefallener und getöteter Koreaner eingesalzen und als Kriegstrophäen nach Japan geschickt. Das Grab enthält schätzungsweise die Überreste von 100.000 bis 200.000 Menschen und ist eines der wenigen öffentlich zugänglichen Zeugnisse dieser Episode.

Fushimi Inari-Taisha (伏見稲荷大社)

711 am Fuße des Inari-Berges gegründet, ist der Fushimi Inari-Taisha Hauptschrein von rund 30.000 Inari-Schreinen in ganz Japan. Inari ist der Kami für Reis, Wohlstand und Ernte, seine Boten sind Füchse (Kitsune). Berühmt sind die Senbon Torii, die „tausend Torii" — mehrere Tausend orangerote Tore, gestiftet von Einzelpersonen, Familien und Unternehmen, jedes mit dem Namen des Spenders auf der Rückseite. Der Weg auf den Gipfel des Inari-Berges (233 m) und zurück misst rund 4 km.

Kinkaku-ji (金閣寺, „Tempel des Goldenen Pavillons")

1397 ursprünglich als Alterssitz des Shōguns Ashikaga Yoshimitsu erbaut, wurde der Zen-Tempel der Rinzai-Schule nach seinem Tod in einen Tempel umgewandelt. Die beiden oberen Stockwerke des Pavillons sind vollständig mit Blattgold bedeckt. Das heutige Gebäude stammt allerdings erst von 1955 — 1950 steckte ein Student den Originalbau aus religiösem Fanatismus in Brand, ein Ereignis, das Mishima Yukio in seinem Roman „Der Goldene Pavillon" (1956) literarisch verarbeitete.

Ryōan-ji (龍安寺)

Dieser Zen-Tempel beherbergt den berühmtesten karesansui (枯山水), den Trockengarten Japans: 15 Steine unterschiedlicher Größe, arrangiert auf weißem Kies. Von keinem der üblichen Betrachtungspunkte aus sind alle 15 Steine gleichzeitig sichtbar — eine Anordnung, die als Verweis auf die Zahl 15 als Symbol der Vollkommenheit gedeutet wird, die für Menschen unerreichbar bleibt. Anlage und Garten stehen seit 1994 auf der UNESCO-Welterbeliste.

Nijō-Burg (二条城)

1603 auf Befehl von Shōgun Tokugawa Ieyasu erbaut, diente die Burg als Residenz bei dessen Besuchen in Kyōto — und demonstrierte dabei bewusst die Überlegenheit des Shōgunats über den Kaiserhof. Der Ninomaru-Palast ist bekannt für seinen Uguisubari (鶯張り), den „Nachtigallenboden": Die Dielen sind so konstruiert, dass sie beim Betreten quietschen — ursprünglich ein Sicherheitsmechanismus gegen ungebetene Eindringlinge. Auch die Nijō-Burg gehört seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Arashiyama (嵐山)

Im Westen Kyōtos gelegen, ist Arashiyama bekannt für den Bambuswäldchen-Pfad, bewaldete Berghänge und den Ōigawa-Fluss. Schon in der Heian-Zeit (794–1185) diente das Gebiet dem Hofadel als Erholungsort — ein Erbe, das sich bis heute in zahlreichen bedeutenden Tempeln und Gärten zeigt.

Bambuswäldchen (竹林の小径)

Ein schmaler Pfad führt durch einen dichten Hain aus Mōsō-Bambus (孟宗竹), mit Wuchshöhen von bis zu 20 m die größte Bambusart Japans. Der Pfad zählt heute zu den meistfotografierten Orten des Landes — ein früher Besuch am Morgen lohnt sich, um das charakteristische Rauschen des im Wind bewegten Bambus ungestört zu erleben.

Otagi Nenbutsu-ji (愛宕念仏寺)

Im 8. Jahrhundert gegründet und im 20. Jahrhundert restauriert, liegt dieser Tempel am nördlichen Rand von Arashiyama. Zwischen 1981 und 1991 schufen über 1.200 Laien-Bildhauer aus ganz Japan je eine individuelle Rakan-Steinfigur — Jünger des Buddha, jede einzigartig in Gestik und Mimik. Die gesamte Sammlung durchzieht den Tempelwald und macht jeden Weg zu einer kleinen Entdeckungstour.

Tenryū-ji (天龍寺)

1339 vom Zen-Meister Musō Soseki auf Anordnung des Shōguns Ashikaga Takauji gegründet, ist der Tenryū-ji der bedeutendste Zen-Tempel Arashiyamas. Der Sōgenchi-Garten, ein kaiyū-shiki Rundgangsgarten mit zentralem Teich, gilt als einer der ältesten Gärten Japans in nahezu unveränderter Form seit dem 14. Jahrhundert. Tempel und Garten stehen seit 1994 auf der UNESCO-Welterbeliste; zudem ist Tenryū-ji Rang-1-Tempel der Kyōto Gozan, der fünf wichtigsten Zen-Tempel Kyōtos.

Higashi Hongan-ji (東本願寺)

1602 nach einer Spaltung vom Nishi Hongan-ji gegründet, ist der Higashi Hongan-ji Haupttempel des Shinshū Ōtaniha-Zweigs des Jōdo-Shinshū-Buddhismus. Die Goeido-Haupthalle von 1895 gilt als eines der größten Holzgebäude der Welt. Ein besonders eindrückliches Detail: die massiven geflochtenen Seile aus menschlichem Haar — Frauen schnitten im 19. Jahrhundert ihr Haar ab, um damit beim Bau schwere Lasten zu ziehen.

Ginkaku-ji (銀閣寺, „Tempel des Silbernen Pavillons")

1482 als Ruhesitz des Shōguns Ashikaga Yoshimasa erbaut, war der Ginkaku-ji als bewusstes Pendant zum Goldenen Pavillon seines Großvaters gedacht. Entgegen seinem Namen wurde der Pavillon jedoch nie mit Silber verkleidet — die Bezeichnung entstand vermutlich einfach im Kontrast zum Kinkaku-ji. Bekannt ist der Tempel für den präzise geformten Kogetsudai, einen kegelförmigen Sandhügel, der einst als Mondbetrachtungsplattform diente, sowie für seine ausgedehnten Moos- und Kiefergärten.

Eikan-dō (永観堂)

853 gegründet, verbindet das weitläufige Gelände dieses Tempels der Seizan-Jōdo-Schule mehrere Gebäude über überdachte Holzgänge auf verschiedenen Hangebenen. Berühmt ist die Statue des Mikaeri Amida (見返り阿弥陀): Der Buddha blickt über seine linke Schulter zurück — eine Pose, die auf die Legende des Priesters Eikan zurückgeht. Dieser soll 1082 beim Meditationsgang von der lebendigen Statue mit den Worten „Eikan, du bist zu langsam" angesprochen worden sein. Im Herbst gilt der Eikan-dō als einer der schönsten Laubfärbe-Orte Kyōtos.

Heian-jingū (平安神宮)

1895 zum 1.100. Jahrestag der Stadtgründung Kyōtos errichtet, ist dieser Shinto-Schrein den Seelen von Kaiser Kanmu, der Heian-kyō 794 gründete, und Kaiser Kōmei, dem letzten Kaiser mit Regierungssitz in Kyōto, geweiht. Die Anlage selbst ist eine auf zwei Drittel verkleinerte Rekonstruktion des originalen Kaiserpalastes, des Daidairi. Der zugehörige Jinen-en-Garten zählt zu den bedeutendsten Gartenanlagen der Meiji-Zeit in ganz Japan.

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