Nara (奈良)
Erste Hauptstadt, tausend Hirsche
Nara (奈良)
Von 710 bis 784 war Nara unter dem Namen Heijō-kyō die erste permanente Hauptstadt Japans — ein Status, der bis heute in acht UNESCO-Weltkulturerbestätten fortlebt, die sich über das Stadtgebiet verteilen. Berühmter noch als jede einzelne Stätte ist womöglich der Nara-Park selbst: Auf rund 660 ha leben hier über 1.000 Sika-Hirsche (Cervus nippon), die seit dem 8. Jahrhundert als heilig gelten — als Boten des Kami Takemikazuchi-no-Mikoto. Das Füttern mit den überall erhältlichen Shika-senbei, den Hirschkeksen, gehört inzwischen zum festen Standardprogramm eines jeden Besuchs, und die Hirsche wissen das genau.
Kōfuku-ji (興福寺)
669 in Nara gegründet, gehört der Kōfuku-ji der buddhistischen Hossō-Schule an. Seine fünfstöckige Pagode misst 50,1 m und ist damit nach dem Tō-ji in Kyōto die zweithöchste Pagode Japans. Neben der Pagode umfasst das Gelände mehrere Schatz- und Haupthallen sowie ein eigenes Museum.
Kasuga Taisha (春日大社)
768 gegründet, liegt dieser Shinto-Schrein im Wald am Fuße der heiligen Berge Kasugayama und Mikasayama. Charakteristisch sind die über 3.000 Stein- und Bronzelaternen, die im Laufe der Jahrhunderte von Gläubigen gestiftet wurden und zweimal jährlich beim Mantōrō-Fest vollständig entzündet werden — ein Anblick, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Der umliegende Kasugayama Primeval Forest steht unter strengem Schutz und ist selbst Teil des UNESCO-Welterbes — ein Urwald mitten in einer Stadt, die vor über 1.300 Jahren Hauptstadt war.
Tōdai-ji Tempel (東大寺)
752 unter Kaiser Shōmu gegründet, beherbergt der Tōdai-ji gleich zwei Superlative. Die Daibutsuden, die Große Buddhahalle, misst 57 × 50 × 49 m und ist damit das größte rein aus Holz errichtete Gebäude der Welt — und das, obwohl sie bereits auf zwei Drittel ihrer ursprünglichen Größe verkleinert wurde. Im Inneren thront die Daibutsu-Statue des Buddha Vairocana: 15 m hoch, 452 Tonnen schwer, vollständig aus Bronze gegossen. Den Zugang markiert das monumentale Nandaimon-Eingangstor von 1199, flankiert von zwei rund 8,4 m hohen Niō-Wächterfiguren, die jeden Besucher mit unverhohlener Strenge begrüßen.
Yoshikien & Isuien (吉城園 · 依水園)
Zwei benachbarte traditionelle Gärten runden den Tag ab. Der Isuien, im 17. Jahrhundert gegründet und im 19. Jahrhundert erweitert, gilt als eines der gelungensten Beispiele des Shakkei-Prinzips, der „geborgten Landschaft": Die Silhouette der Wakakusa-yama-Hügel und die Dächer des Tōdai-ji werden hier bewusst als Hintergrund in die Gartenkomposition eingebunden — als hätte man den größten Tempel der Stadt kurzerhand zum Gartenelement erklärt.