Kopenhagen

Kirchtürme, Kanäle und Halloween im Tivoli

Kopenhagen im Oktober 2021: kühlere Temperaturen, dafür goldenes Herbstlicht, kürzere Tage und ein Tivoli, das für die Jahreszeit komplett auf Halloween umgestellt hat. Der Streifzug führt durch Viertel und Bauwerke voller Geschichte — von einem Turm ganz ohne Treppen bis zu einer Kirche, die man von außen erklimmt.

Indre By & Rundetårn

Vom Zentrum, der Indre By, führt der erste Spaziergang über Nørreport in Richtung Nørrebro bis zur Dronning Louises Bro, der Königin-Luise-Brücke über den Peblinge Sø, einen der fünf ehemaligen Wallseen, die die Stadtbefestigung Kopenhagens einst umgaben. Zurück im Zentrum liegt der Rundetårn, ein 1642 unter König Christian IV. als Teil des Trinitatis-Komplexes errichteter Turm, der Kirche, Bibliothek und Sternwarte miteinander verband. Statt einer Treppe führt eine spiralförmige, gepflasterte Rampe hinauf zur Aussichtsplattform — ursprünglich so gebaut, damit Pferdefuhrwerke Instrumente und Bücher nach oben transportieren konnten. Der Rundetårn gilt als älteste noch funktionstüchtige Sternwarte Europas.

Die Rampe im Rundetårn

Rathaus, BLOX & Königliche Bibliothek

Der H. C. Andersens Boulevard führt hinunter zum Rathaus (Rådhus), das zwischen 1892 und 1905 im Stil der nationalromantischen Architektur errichtet wurde und bis heute unter anderem Jens Olsens Weltuhr beherbergt, ein astronomisches Uhrwerk von beeindruckender mechanischer Komplexität. Weiter Richtung Hafen liegt BLOX, ein 2018 eröffnetes Gebäude des Architekturbüros OMA (Rem Koolhaas), das heute das dänische Architekturzentrum beherbergt und mit seiner auskragenden Betonkonstruktion selbst zum Ausstellungsstück wird.

Gleich nebenan liegt die Königliche Bibliothek mit ihrem markanten Erweiterungsbau, dem „Schwarzen Diamanten" (Den Sorte Diamant): 1999 fertiggestellt, mit einer Fassade aus schwarzem Granit und Glas direkt am Hafenwasser. Von dort aus fällt der Blick in den Innenhof von Schloss Christiansborg, dem heutigen Sitz des dänischen Parlaments, des Obersten Gerichtshofs und des Amtssitzes der Premierministerin — der aktuelle Bau von 1928 ist bereits die dritte Christiansborg-Anlage an dieser Stelle, nachdem die beiden Vorgängerbauten jeweils Bränden zum Opfer fielen.

Die Königliche Bibliothek

Christianshavn & Vor Frelsers Kirke

Über die Knippelsbro, die zentrale Brücke zwischen Slotsholmen und Christianshavn, führt der Weg in das im 17. Jahrhundert nach niederländischem Vorbild angelegte Kanalviertel. Wahrzeichen ist die Vor Frelsers Kirke, eine 1695 fertiggestellte Barockkirche, deren Turm 1752 eine außen um die Spitze gewundene, vergoldete Wendeltreppe erhielt. Der Aufstieg über die zunehmend schmaler werdenden Stufen bietet einen der spektakulärsten Ausblicke über die Dächer Kopenhagens — bei Wind ein durchaus aufregendes Erlebnis. Entlang des Christianshavns Kanal reihen sich historische Speicherhäuser und festgemachte alte Segelschiffe, die dem Viertel bis heute seinen maritimen Charakter verleihen.

Spitze der Frelsers Kirke

Nyboder & Schloss Rosenborg

Auf dem Rückweg führt der Abendspaziergang durch Nyboder, ein Ende des 17. Jahrhunderts unter Christian IV. errichtetes Wohnviertel für Marineangehörige. Die charakteristischen, einheitlich gelb gestrichenen eingeschossigen Reihenhäuser zählen zu den ältesten noch bewohnten Arbeitersiedlungen Europas. Der Weg führt weiter durch den Kongens Have, den Königsgarten vor Schloss Rosenborg — angelegt bereits im frühen 17. Jahrhundert und damit der älteste noch bestehende königliche Garten Dänemarks. Schloss Rosenborg selbst diente Christian IV. ursprünglich als Sommerresidenz und beherbergt heute unter anderem die dänischen Kronjuwelen.

Christianshavn & Nørrebro mit dem Rad

Eine Fahrradtour führt zunächst nach Christianshavn, vorbei am Opernhaus (Operaen), das 2004 mit Mitteln der Mærsk-Mc-Kinney-Møller-Stiftung auf der Insel Holmen errichtet wurde, sowie an der ehemaligen Adresse des Restaurants Noma, das seit seiner Gründung 2003 durch René Redzepi und Claus Meyer maßgeblich die sogenannte New Nordic Cuisine prägte und mehrfach zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde. Nach einem Abstecher zur Freistadt Christiania führt die Tour am Wasser entlang weiter Richtung Nørrebro.

Noma

Dort liegt der Assistens Kirkegård, ein seit den 1760er Jahren genutzter Friedhof, der heute zugleich als Park dient und die letzten Ruhestätten von Hans Christian Andersen und dem Philosophen Søren Kierkegaard beherbergt. Nicht weit davon liegt Superkilen, ein von BIG gestalteter internationaler Stadtpark, sowie der BaNanna Park, eine bananenförmige Grün- und Sportanlage, die im Zuge der Nørrebro-Stadterneuerung unter anderem zur Regenwasserbewirtschaftung bei Starkregenereignissen angelegt wurde.

Superkilen

Kødbyen — der alte Schlachthof

Ein weiterer Streifzug führt zum Kødbyen, dem ehemaligen Schlachthofviertel Kopenhagens aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die backsteinernen Hallen, in denen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein tatsächlich Fleisch verarbeitet wurde, beherbergen heute Galerien, Clubs und Restaurants und zählen zu den angesagtesten Ausgehvierteln der Stadt.

Teile des alten Schlachthofes

Tivoli im Halloween-Modus

Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch im Tivoli, dem 1843 eröffneten Vergnügungspark im Herzen der Stadt. Passend zum Oktober war die gesamte Anlage für Halloween dekoriert — mit über 22.000 Kürbissen, aufwendig gestalteten Themenbereichen und abendlicher Beleuchtung, die den historischen Park in ein völlig anderes Licht taucht. Tivoli zählt saisonale Umgestaltungen wie diese, neben der klassischen Sommersaison und dem winterlichen Weihnachtsmarkt, seit einigen Jahren zu seinem festen Jahresprogramm.

Eingang zum Tivoli

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