Kamakura (鎌倉)

Wo die Samurai einst regierten

Kamakura (鎌倉)

Rund 50 km südlich von Tokio, in der Präfektur Kanagawa, liegt Kamakura — eine Stadt, die zwischen 1185 und 1333 nichts Geringeres war als die faktische Hauptstadt Japans, Sitz des ersten Shogunats (Kamakura-Bakufu). Die Lage war kein Zufall: Küste auf der einen, Berge auf der anderen Seite — eine natürliche Festung, die sich perfekt als Residenz einer Militärregierung eignete. Heute, Jahrhunderte später, ist von der einstigen Kriegshauptstadt vor allem eines geblieben: Kamakura zählt zu den meistbesuchten Ausflugszielen Japans, nur einen Katzensprung von Tokio entfernt.

Kōtoku-in & Großer Buddha (高徳院 大仏)

Das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt: eine monumentale Bronzestatue des Amida-Buddha, 1252 gegossen, 13,35 m hoch und rund 100 Tonnen schwer. Ursprünglich stand die Statue geschützt in einer Holzhalle — doch Taifune im 14. und 15. Jahrhundert zerstörten die Konstruktion gleich mehrfach, bis man den Buddha schließlich im Freien beließ. Seither sitzt er unter freiem Himmel, wettergegerbt und dennoch makellos. Das Innere der Statue lässt sich sogar betreten. Als Nationalschatz Japans genießt der Große Buddha den höchsten kulturellen Schutzstatus, den das Land vergibt.

Hase-dera Tempel (長谷寺)

Auf mehreren Terrassenstufen zieht sich der Hase-dera den Hang über Kamakura hinauf — der Überlieferung nach bereits 736 gegründet. Im Zentrum steht eine 9,18 m hohe Holzstatue der elfköpfigen Kannon, eine der größten Holzstatuen Japans. Berührender noch ist ein anderer Teil des Geländes: hunderte kleine Jizō-Statuen (地蔵), die von Eltern nach Fehl- oder Totgeburten aufgestellt werden. Im japanischen Volksglauben gilt Jizō als Schutzgottheit ungeborener und verstorbener Kinder — die Statuen wirken dadurch weniger wie Kunstwerke als wie stille, private Gebete, die für jeden sichtbar im Freien stehen.

Enoden-Linie & Küste

Die Enoshima Electric Railway, kurz Enoden (江ノ島電鉄), verbindet Kamakura entlang der Sagami-Bucht mit Fujisawa. Die eingleisige Straßenbahn fährt stellenweise so knapp an Wohnhäusern vorbei, dass man fast durch die Vorgärten der Anwohner blickt — eine der malerischsten Bahnstrecken Japans. Weltweite Bekanntheit erlangte ausgerechnet eine einzelne Station: Kamakurakōkōmae wurde durch den Anime Slam Dunk zum Pilgerort für Fans aus aller Welt.

Enoshima (江の島)

Eine kleine Halbinsel in der Sagami-Bucht, bei Ebbe zu Fuß über eine Brücke erreichbar. Von der Inselspitze aus öffnet sich bei klarem Wetter ein freier Blick auf den Fuji — die Insel wird so zum natürlichen Aussichtspunkt auf Japans bekanntesten Berg. Der Enoshima-Schrein ist Benzaiten geweiht, einem der Sieben Glücksgötter Japans und zuständig für Musik, Wissen und Beredsamkeit.

Hokokuji-Tempel & Bambuswald (報国寺)

Ein 1334 gegründeter Zen-Tempel der Rinzai-Schule, berühmt für seinen Bambusgarten mit rund 2.000 Mōsō-Bambuspflanzen (Phyllostachys edulis) — einer der bekanntesten Bambushaine Japans. Mitten im Wald liegt ein kleiner Pavillon, in dem traditionell Matcha serviert wird: ein Moment der Stille, umgeben von grünem Licht, das durch tausende Halme gefiltert wird.

Sasuke Inari-Schrein (佐助稲荷神社)

Versteckt im Bergwald oberhalb der Stadt liegt dieser Shinto-Schrein, gewidmet dem Kami Inari — zuständig für Reis, Wohlstand und Füchse. Der Name Sasuke geht der Legende nach auf eine Erscheinung zurück, die dem späteren Shogun Minamoto no Yoritomo im Traum erschien und ihm zum Sieg verhalf. Charakteristisch sind die hunderten Fuchsstatuen (Kitsune), Inaris Boten, die den gesamten Hang hinauf den Weg säumen — ein Ort, den man fast zufällig entdecken muss, um ihn wirklich zu finden.

Tsurugaoka Hachiman-gū (鶴岡八幡宮)

Der bedeutendste Schrein Kamakuras, geweiht dem Kriegsgott Hachiman, Schutzpatron des Hauses Minamoto. Ursprünglich 1063 errichtet, erhielt er seine heutige Form unter Shogun Minamoto no Yoritomo im späten 12. Jahrhundert. Die breite Zugangsallee, die Dan-kazura, zieht sich bis hinunter ans Meer und bildet bis heute die eigentliche städtebauliche Achse des historischen Kamakura — eine gerade Linie durch eine Stadt, die einst das ganze Land regierte.

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