Potsdam
Preußische Schlösser und geteilte Geschichte
Nur eine knappe halbe Stunde von Berlin entfernt, und doch eine eigene Welt: Potsdam vereint auf engstem Raum die Sommerresidenzen der preußischen Könige, eine niederländische Handwerkersiedlung, eine russische Kolonie und einen der bekanntesten Schauplätze des Kalten Krieges. Zwischen Parkanlagen, Schlössern und Uferpromenaden entlang der Havel.
Sanssouci & Neues Palais
Holländisches Viertel
Der Weg vom Bahnhof zum Schlosspark führt durch das Holländische Viertel, eine Ansammlung von rund 130 backsteinroten Giebelhäusern, die König Friedrich Wilhelm I. ab 1734 für angeworbene niederländische Handwerker errichten ließ. Es gilt als die größte zusammenhängende Ansammlung holländischer Bürgerhäuser außerhalb der Niederlande und ist heute vor allem für seine Cafés, Ateliers und kleinen Läden bekannt.
Schloss Sanssouci
Schloss Sanssouci, 1745 bis 1747 nach eigenen Skizzen Friedrichs II. (Friedrich der Große) erbaut, diente dem König als Sommerresidenz und Rückzugsort abseits des höfischen Zeremoniells in Berlin — der Name (französisch „sans souci", „ohne Sorge") ist Programm. Das eingeschossige Schloss im friderizianischen Rokoko liegt oberhalb der terrassierten Weinbergterrassen des Parks und gehört seit 1990 gemeinsam mit den umliegenden Anlagen zum UNESCO-Weltkulturerbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin".
Chinesisches Teehaus
Das Chinesische Haus: einem 1755 bis 1764 errichteten Gartenpavillon im Stil der damals in Europa modischen Chinoiserie, mit vergoldeten Figuren in vermeintlich ostasiatischer Kleidung und einer Sammlung von ostasiatischem Porzellan. Das Teehaus zählt zu den verspieltesten und am aufwendigsten gestalteten Bauten des gesamten Parks.
Drachenhaus, Orangerie & Neues Palais
Der Rundweg durch den weitläufigen Park Sanssouci führt vorbei am Drachenhaus, einem 1770 im Stil einer chinesischen Pagode errichteten Weinbergshaus, sowie an der Orangerie, einem im 19. Jahrhundert unter Friedrich Wilhelm IV. nach italienischem Vorbild erbauten Gebäudekomplex zur Überwinterung mediterraner Pflanzen. Ziel ist das Neue Palais am westlichen Ende des Parks: 1763 bis 1769 nach dem Sieg im Siebenjährigen Krieg als demonstrativer Ausdruck preußischer Machtfülle errichtet, mit über 200 Räumen eines der größten Schlösser der Hohenzollern. Zu den prunkvollsten Räumen zählen das Muschelsaal, dessen Wände vollständig mit Muscheln und Mineralien verkleidet sind, und der Marmorsaal, der zentrale Festsaal des Schlosses.
Charlottenhof & Römische Bäder
Auf dem Rückweg liegen Schloss Charlottenhof, ein klassizistischer Landsitz, den der junge Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. ab 1826 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels umgestalten ließ, sowie die benachbarten Römischen Bäder — ein malerisches Ensemble aus Gärtnerhaus, Teehaus und Badehaus im Stil italienischer Landvillen, ebenfalls von Schinkel und seinem Schüler Ludwig Persius entworfen.
Biosphäre, Pfingstberg, Cecilienhof & Glienicker Brücke
Biosphäre Potsdam
Bei regnerischem Wetter bietet sich die Biosphäre Potsdam an: eine tropische Erlebnislandschaft unter einer großen Kuppelkonstruktion, mit Regenwaldvegetation, künstlichem Wasserfall, freifliegenden Vögeln, Affen sowie einem Schmetterlings- und Insektenhaus. Die Anlage entstand ursprünglich für die Bundesgartenschau 2001.
Pfingstberg, Belvedere & Alexandrowka
Auf dem Pfingstberg im Norden der Stadt erhebt sich das Belvedere, ein zweitürmiges Aussichtsschloss im Stil italienischer Renaissancevillen, das König Friedrich Wilhelm IV. ab 1847 errichten ließ und das nach seinem Tod unvollendet blieb. Unweit davon steht die Alexander-Newski-Gedächtniskirche, eine russisch-orthodoxe Kirche aus dem frühen 19. Jahrhundert. Direkt angrenzend liegt die Kolonie Alexandrowka: 13 im russischen Blockhausstil errichtete Holzhäuser mit dazugehörigen Obstgärten, die König Friedrich Wilhelm III. 1826/27 für die letzten Mitglieder eines russischen Soldatenchors erbauen ließ — eine Erinnerung an die preußisch-russische Waffenbrüderschaft der napoleonischen Kriege und heute ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes.
Pfingstberg
Alexandrowka
Schloss Cecilienhof
Schloss Cecilienhof, zwischen 1914 und 1917 im englischen Landhausstil (Tudor Revival) für Kronprinz Wilhelm und seine Frau Cecilie erbaut, ist das letzte Schloss, das die Hohenzollern in Potsdam errichten ließen. Weltgeschichtliche Bedeutung erlangte es im Sommer 1945, als hier die Potsdamer Konferenz zwischen den Siegermächten USA, Großbritannien und der Sowjetunion stattfand, auf der die Nachkriegsordnung Deutschlands und Europas verhandelt wurde.
Glienicker Brücke
Der Spaziergang entlang von Jungfernsee und Heiligem See über die Schwanenbrücke führt schließlich zur Glienicker Brücke, die Potsdam mit Berlin-Wannsee verbindet. Während des Kalten Krieges verlief hier die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin; die Brücke erlangte internationale Bekanntheit als „Agentenbrücke", da hier zwischen 1962 und 1986 mehrfach spektakuläre Austausche von im Kalten Krieg gefangenen Agenten zwischen Ost und West stattfanden.
Ehemalige Grenze zwischen Ost und West
Villa Schöningen & Schiffbauergasse
Direkt am Brückenkopf liegt die Villa Schöningen, eine klassizistische Villa aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die heute als Kunst- und Geschichtsmuseum genutzt wird und ihre Lage unmittelbar an der ehemaligen Grenze thematisiert. Zurück in Richtung Innenstadt liegt die Schiffbauergasse, ein ehemaliges Werftgelände an der Havel, das seit den 2000er Jahren zu einem Kultur- und Ausgehviertel mit Theatern, Galerien und Restaurants entwickelt wurde — darunter auch das Filmmuseum Potsdam, das älteste Filmmuseum Deutschlands, untergebracht in den ehemaligen Marstallgebäuden und mit einer Sammlung zur Geschichte der benachbarten Babelsberger Filmstudios.
Potsdam verdichtet auf zwei Tage, wofür andere Residenzstädte ein ganzes Jahrhundert brauchten: friderizianisches Rokoko, klassizistische Landvillen, eine russische Kolonie mitten in Brandenburg und eine Brücke, die drei Jahrzehnte lang buchstäblich zwei Weltsysteme voneinander trennte.