London
Zwischen Themse und Camden Lock
Vier Tage London, angereist über Stansted, untergebracht mitten in Bloomsbury, nur einen Steinwurf von King's Cross entfernt. Von dort aus lässt sich die Stadt zu Fuß, mit dem Bus und der Underground erstaunlich kompakt erschließen — von den Kanälen Camdens über die Prunkbauten Westminsters bis zu den engen Gassen Sohos. Ein Streifzug durch eine Stadt, die auf jedem einzelnen ihrer Wege gleich mehrere Jahrhunderte übereinanderlegt.
King's Cross & Camden
Vom Hotel führt der erste Weg an King's Cross vorbei Richtung Camden — entlang des Grand Union Canal, jenem 1801 eröffneten Kanal, der einst London mit dem industriellen Norden Englands verband und heute vor allem als malerischer Fußweg genutzt wird. Camden Market selbst entstand in den 1970er Jahren aus einem ehemaligen Pferdemarkt und einem Lagerhausgelände am Kanal und zählt heute zu den meistbesuchten Märkten Londons, bekannt für Streetfood, Vintage-Mode und alternative Subkultur. Die Camden High Street mit ihren auffälligen, oft überdimensionierten Ladenfassaden — vom riesigen Doc-Martens-Stiefel bis zur Totenkopf-Fassade — ist seit den 1980er Jahren fest mit der Punk- und Musikszene Londons verbunden.
Coal Drops Yard am Abend
Regent's Park
Weiter am Kanal entlang führt der Weg in den Regent's Park, einen der acht Royal Parks Londons. Angelegt Anfang des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Architekten John Nash für den Prinzregenten (später König George IV.), war der Park ursprünglich als Standort für Villenbebauung geplant — nur wenige der geplanten Häuser wurden tatsächlich gebaut, der Rest blieb offene Parklandschaft. Das York Gate am Südrand des Parks führt direkt auf die Marylebone Road und die St. Marylebone Parish Church.
Baker Street 221B
Nur wenige Schritte weiter liegt die wohl berühmteste fiktive Adresse Londons: 221B Baker Street, der literarische Wohnsitz von Sherlock Holmes. Zur Zeit, als Arthur Conan Doyle seine Geschichten schrieb, existierte diese Hausnummer in der Baker Street noch gar nicht; sie wurde erst später eingeführt. Heute befindet sich dort ein Sherlock-Holmes-Museum in einem Haus im viktorianischen Stil, direkt neben Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett, das seit 1884 an diesem Standort residiert.
Tag 2 — Tower · City · Westminster · Piccadilly
Tower of London & Tower Bridge
Der Tower of London wurde ab 1066/1078 unter Wilhelm dem Eroberer als Symbol normannischer Macht über die eroberten Angelsachsen errichtet. Über die Jahrhunderte diente die Festung als königliche Residenz, Gefängnis, Waffenkammer und Schatzkammer — bis heute werden hier die britischen Kronjuwelen aufbewahrt. Direkt daneben überspannt die Tower Bridge, 1894 fertiggestellt, die Themse: eine Klappbrücke im viktorianischen Stil, deren beide Türme im Inneren begehbare Fußgängerstege verbinden.
Borough Market & Shakespeare's Globe
Borough Market gilt als einer der ältesten Lebensmittelmärkte Londons — urkundlich seit dem 12. Jahrhundert belegt, in seiner heutigen Form seit dem frühen 19. Jahrhundert am selben Standort. Unweit davon liegt das Shakespeare's Globe, ein originalgetreuer Nachbau des elisabethanischen Globe Theatre, in dem William Shakespeares Theatergesellschaft ab 1599 spielte. Das ursprüngliche Gebäude fiel 1613 einem Brand zum Opfer; der heutige Nachbau wurde 1997 nur wenige hundert Meter vom historischen Standort entfernt eröffnet.
Millennium Bridge & St Paul's Cathedral
Die Millennium Bridge, eine reine Fußgängerbrücke, wurde zur Jahrtausendwende eröffnet und musste kurz darauf wegen unerwarteter Schwingungen („Wobbly Bridge") vorübergehend wieder geschlossen werden. Sie verbindet die Themse-Südseite direkt mit St Paul's Cathedral, deren markante Kuppel seit ihrer Fertigstellung 1710 nach den Plänen von Christopher Wren das Stadtbild der City of London prägt — errichtet als Ersatz für die im Großen Brand von London 1666 zerstörte mittelalterliche Kathedrale.
Blick auf St Paul's Cathedral über die Millennium Bridge
London Eye & London Dungeon
Am Südufer der Themse, nahe der Westminster Bridge, dreht sich das London Eye — mit seiner Eröffnung im Jahr 2000 zunächst das höchste Riesenrad der Welt und bis heute eine der meistbesuchten kostenpflichtigen Attraktionen Großbritanniens. Direkt darunter liegt das London Dungeon, eine unterhaltsam-gruselige Inszenierung dunkler Kapitel der Londoner Geschichte, von der Pest bis Jack the Ripper.
London Eye
Westminster: Parlament, Abtei, Buckingham Palace
Die Westminster Bridge führt hinüber zum Palace of Westminster, Sitz des britischen Parlaments. Der heutige neugotische Bau entstand nach einem verheerenden Brand des mittelalterlichen Palastes im Jahr 1834; sein bekanntester Bestandteil ist der Uhrturm mit der Glocke Big Ben, die eigentlich nur die größte der Turmglocken bezeichnet, umgangssprachlich aber für den gesamten Turm steht. Nur wenige Schritte entfernt liegt Westminster Abbey, seit 1066 Krönungskirche der englischen und britischen Monarchen und Grabstätte zahlreicher Könige, Wissenschaftler und Dichter.
Durch den St James's Park, ebenfalls einen der Royal Parks und seit dem 17. Jahrhundert öffentlich zugänglich, führt der Weg weiter zum Buckingham Palace, offizieller Wohnsitz der britischen Monarchie seit 1837. Anschließend durch den Green Park — mit seinen schlichten Rasenflächen bewusst als Kontrast zu den blumenreicheren Nachbarparks angelegt — Richtung Piccadilly, einer der ältesten und bekanntesten Straßen des Londoner Westens, die schließlich auf den Piccadilly Circus mündet: seit 1819 ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, heute vor allem für seine großformatigen Leuchtreklamen bekannt. Von dort ist es nur ein kurzer Weg nach Soho, dem traditionsreichen Vergnügungs- und Kreativviertel Londons.
Blick auf Big Ben
Tag 3 — Hyde Park · Abbey Road · Trafalgar Square · Covent Garden · Theater
Hyde Park, Little Venice & Abbey Road
Der Hyde Park, mit rund 142 ha einer der größten und bekanntesten Parks Londons, geht auf eine Enteignung durch Heinrich VIII. im Jahr 1536 zurück, der das Gelände ursprünglich als königliches Jagdrevier nutzte. Nordwestlich davon liegt Little Venice, ein Viertel rund um den Zusammenfluss von Regent's Canal und Grand Union Canal, benannt nach seinen kanalgesäumten, an Venedig erinnernden Straßenzügen. Nicht weit davon, in St John's Wood, verläuft die Abbey Road mit ihrem weltberühmten Zebrastreifen — verewigt auf dem gleichnamigen Beatles-Album von 1969, dessen Cover unweit der dortigen Abbey Road Studios aufgenommen wurde.
Trafalgar Square, Horse Guards & Downing Street
Der Trafalgar Square wurde in den 1840er Jahren zum Gedenken an den britischen Sieg in der Schlacht von Trafalgar (1805) angelegt. Im Zentrum erhebt sich die Nelson's Column, eine über 50 m hohe Säule zu Ehren von Admiral Horatio Nelson, der in eben jener Schlacht sein Leben ließ. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Horse Guards Parade mit ihrer berittenen Wachablösung der Household Cavalry — der königlichen Leibgarde zu Pferd. Gleich um die Ecke verläuft die Downing Street, seit dem 18. Jahrhundert Amtssitz des britischen Premierministers auf Hausnummer 10.
Piccadilly Circus
Covent Garden, Chinatown & Theater
Covent Garden, ursprünglich ein Obst- und Gemüsegroßmarkt aus dem 17. Jahrhundert, ist heute ein belebtes Markt- und Einkaufsviertel mit Straßenkünstlern und viktorianischer Markthalle. Von dort ist es nicht weit ins Londoner Chinatown rund um die Gerrard Street, das seit den 1970er Jahren das Zentrum der chinesischen Gemeinde der Stadt bildet.
Chinatown
Tag 4 — British Museum · Borough Market
British Museum
Das 1753 gegründete British Museum ist eines der ältesten und größten Museen der Welt und beherbergt eine Sammlung von rund acht Millionen Objekten aus der gesamten Menschheitsgeschichte — darunter der Rosetta-Stein und die sogenannten Elgin Marbles vom Parthenon. Der Eintritt ist bis heute kostenlos, was das Museum zu einem der meistbesuchten Kulturorte weltweit macht — ein Umstand, der sich auch im Besucherandrang unmittelbar bemerkbar macht.
Dach des British Museum
Borough Market, zum Zweiten
Der letzte Streifzug führt noch einmal zurück zum Borough Market, bevor es zurück Richtung King's Cross geht — ein passender Ausklang für eine Reise, die zwischen mittelalterlichen Marktplätzen und Weltstadt-Sehenswürdigkeiten pendelte.
London lässt sich in vier Tagen kaum erschöpfen, aber gut andeuten: eine Stadt, in der ein Kanal aus dem Industriezeitalter direkt in einen königlichen Park mündet, in der ein fiktiver Zebrastreifen ebenso viele Besucher anzieht wie eine echte Krönungskirche, und in der man selten weiter als einen Häuserblock von der nächsten Schicht Geschichte entfernt ist.