Edinburgh & die Highlands

Zwischen Altstadt und Glencoe

Von Edinburghs mittelalterlicher Altstadt über die einsamen Berge Glencoes bis nach Fort William am Fuß von Ben Nevis: eine Woche Schottland, die auf engstem Raum zeigt, wie unterschiedlich das Land sein kann — quirlige Old Town, stille Seeufer und einer der berüchtigtsten Schauplätze der schottischen Geschichte.

Tag 1 — Ankunft in Edinburgh

Meadows Park & Greyfriars Kirkyard

Der Spaziergang vom Bahnhof in die Stadt führt durch The Meadows, eine weitläufige Parkanlage südlich der Altstadt, die im 18. Jahrhundert auf dem trockengelegten Gelände des ehemaligen Burgh Loch angelegt wurde. Von dort geht es weiter zum Greyfriars Kirkyard, dem Friedhof rund um die Greyfriars Kirk aus dem 17. Jahrhundert. Der Friedhof ist gleich doppelt literarisch aufgeladen: Hier liegt der echte Greyfriars Bobby begraben, ein Skye Terrier, der der Überlieferung nach von 1858 bis zu seinem eigenen Tod 1872 vierzehn Jahre lang das Grab seines verstorbenen Herrchens bewachte — ihm zu Ehren steht seit 1873 eine kleine Bronzestatue unweit des Friedhofstors. Zudem findet sich hier der Grabstein eines gewissen George Mackenzie sowie – bekannter noch – der Name Thomas Riddell auf einem Grabstein, den J. K. Rowling während ihrer Zeit in Edinburgh gesehen haben soll; ein oft genannter, wenn auch nie offiziell bestätigter Bezug zum Nachnamen ihres Romanschurken Voldemort/Tom Riddle.

Greyfriars Kirkyard

Grassmarket & Victoria Street

Über den Grassmarket, einen historischen Markt- und Hinrichtungsplatz am Fuß des Castle Rock, führt der Weg hinauf über die Victoria Street — eine geschwungene, mehrfarbige Straße aus dem 19. Jahrhundert, die wegen ihrer verwinkelten Fassaden und kleinen Fachgeschäfte häufig als eine der möglichen Inspirationsquellen für die Winkelgasse aus Harry Potter genannt wird.

Victoria Street

Esplanade & Edinburgh Castle

Die Esplanade, der weite Vorplatz vor Edinburgh Castle, dient seit 1950 alljährlich im August als Bühne für das Royal Edinburgh Military Tattoo. Von hier aus öffnet sich ein weiter Blick über die Dächer der Altstadt hinweg bis zum Firth of Forth. Edinburgh Castle selbst thront auf dem Castle Rock, dem erloschenen vulkanischen Härtling, der die gesamte Altstadt überragt — archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Felsens bereits in der Eisenzeit, die heutigen Bauten stammen größtenteils aus dem 12. bis 16. Jahrhundert.

Edinburgh Castle

Tag 2 — Fahrt in die Highlands

Von Edinburgh aus führt die Fahrt in Richtung Westhighlands: zunächst über die Autobahn, dann über kurvenreiche Landstraßen durch eine zunehmend karge, von Lochs und Bergrücken geprägte Landschaft. Ziel ist North Ballachulish, ein kleiner Ort direkt am Loch Leven, unmittelbar am Übergang zum Glen Coe gelegen — einem der bekanntesten und zugleich geschichtsträchtigsten Täler Schottlands.

Die Highlands

Tag 3 — Wanderung im Glen Coe

Glen Coe

Glen Coe entstand geologisch durch vulkanische Aktivität vor rund 420 Millionen Jahren und wurde später durch Gletscher zu seiner heutigen, steilwandigen Talform geschliffen. Traurige Berühmtheit erlangte das Tal durch das Massaker von Glencoe im Jahr 1692, bei dem Regierungstruppen unter Beteiligung des Clans Campbell mehrere Dutzend Angehörige des Clans MacDonald töteten — ein bis heute in der schottischen Geschichte präsentes Ereignis, dem Bruch der traditionellen Gastfreundschaftsregeln der Highlands geschuldet.

Blick auf Loch Leven

Pap of Glencoe (Sgòrr na Cìche)

Der markante, kegelförmige Gipfel am nordwestlichen Ende des Tals ist unter seinem gälischen Namen Sgòrr na Cìche bekannt, im Englischen meist schlicht „Pap of Glencoe" genannt — eine Anspielung auf seine auffällige, brustartige Form. Mit rund 742 m Höhe zählt er nicht zu den höchsten Bergen der Region, gilt aber wegen seiner Steilheit und des überwiegend unbefestigten, von Geröll, Torf und feuchtem Heideboden geprägten Aufstiegs als anspruchsvolle Tour. Der Gipfel bietet freie Sicht über Loch Leven, Loch Linnhe und die umliegenden Munros — die traditionelle Bezeichnung für schottische Berge über 3.000 Fuß (914 m).

Gipfel des Pap of Glencoe

Tag 4 — Fort William & Loch Linnhe

Fort William

Die Stadt Fort William verdankt ihren Namen einer Garnisonsfestung, die ursprünglich in den 1650er Jahren unter Oliver Cromwell errichtet und später, nach König Wilhelm III. benannt, im späten 17. Jahrhundert ausgebaut wurde — mit dem Ziel, die aufständischen Highland-Clans nach den Jakobitenerhebungen unter staatlicher Kontrolle zu halten. Von der ursprünglichen Festungsanlage sind heute nur noch Mauerreste erhalten.

Loch Linnhe & Ben Nevis

Eine Bootstour auf Loch Linnhe, einem tief ins Festland reichenden Meeresarm der Westküste, führt vorbei an einer kleinen Robbenkolonie-Insel und bietet freie Sicht auf die umliegende Bergwelt — darunter Ben Nevis. Mit 1.345 m ist er der höchste Berg Großbritanniens und liegt nur wenige Kilometer östlich von Fort William, das sich touristisch entsprechend als „Outdoor-Hauptstadt" der Highlands positioniert.

“Blick” auf Ben Nevis

Tag 5 — Portnacroish, Glen Coe National Nature Reserve, Ballachulish

Castle Stalker

Bei Portnacroish führt eine kleine Fußgängerbrücke, die Jubilee Bridge, zu einem Aussichtspunkt auf Castle Stalker, einen viereckigen Wohnturm aus dem 15. Jahrhundert, der auf einer winzigen Gezeiteninsel in Loch Laich, einem Ausläufer von Loch Linnhe, steht. Der Tower House wurde vom Clan Stewart of Appin errichtet und ist bis heute in Privatbesitz; überregionale Bekanntheit erlangte er unter anderem durch einen kurzen Auftritt im Film Die Ritter der Kokosnuss (1975).

Jubilee Bridge

Glencoe National Nature Reserve

Das Glencoe National Nature Reserve gehört dem National Trust for Scotland, der das Tal 1935 als eines seiner ersten großen Schutzgebiete erwarb. Das Reservat schützt eine typische Highland-Landschaft aus Moorland, Bergheide und den namensgebenden Bergen und dient als Lebensraum für Rothirsche, Steinadler und zahlreiche Moorvogelarten.

Ballachulish & Kinlochleven

Ballachulish auf einer Halbinsel in Loch Leven gelegen, war bis in die 1950er Jahre für seinen Schieferabbau bekannt, der über Jahrhunderte einen bedeutenden Wirtschaftszweig der Region bildete. Weiter östlich liegt Kinlochleven, ein Ort, der seine heutige Form maßgeblich einem Wasserkraftwerk und der dazugehörigen Aluminiumhütte verdankt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden und die Gemeinde für Jahrzehnte prägten.

Blick auf den Pap of Glencoe

Tag 6 — Rückkehr nach Edinburgh: New Town & Dean Village

Edinburgh New Town

Zurück in Edinburgh führt der Weg durch die New Town, die ab 1767 nach einem Plan des jungen Architekten James Craig als geordnetes Gegenstück zur mittelalterlichen Altstadt angelegt wurde. Das strenge, georgianische Straßenraster gilt als eines der bedeutendsten Beispiele klassizistischer Stadtplanung Europas und ist gemeinsam mit der Old Town seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe.

New Town mit seinen Straßenraster

Dean Village

Am Water of Leith, etwas versteckt unterhalb der New Town, liegt Dean Village — ein ehemaliges Mühlendorf, das bereits im 12. Jahrhundert als Getreidemahlstandort urkundlich erwähnt wird. Die pittoresken, teils mehrere Jahrhunderte alten Gebäude entlang des Flusses machen das Viertel heute zu einem beliebten, ruhigen Kontrastprogramm zur belebten Innenstadt.

Dean Village

Princes Street

Die Rückkehr Richtung Unterkunft führt über die Princes Street, Edinburghs zentrale Einkaufsstraße, die entlang der ehemaligen Princes Street Gardens verläuft — einst der Nor Loch, ein Stadtsee, der Ende des 18. Jahrhunderts trockengelegt wurde. Von der Straße aus öffnet sich einer der bekanntesten Blicke der Stadt: hinüber zur Altstadt und hinauf zum Castle Rock.

Tag 7 — Calton Hill, Royal Mile, Edinburgh Castle

Calton Hill

Der frühmorgendliche Aufstieg auf den Calton Hill zum Sonnenaufgang gilt zu Recht als einer der schönsten Ausblicke Edinburghs. Der Hügel ist gesäumt von markanten Bauwerken des frühen 19. Jahrhunderts, darunter das unvollendete National Monument — als Nachbildung des Parthenon geplant, aus Geldmangel jedoch nie fertiggestellt — sowie das Nelson Monument zu Ehren Admiral Nelsons und das alte City Observatory.

Calton Hill

Royal Mile & Edinburgh Castle

Die Royal Mile verbindet auf rund einer Meile Länge Edinburgh Castle mit dem Palace of Holyroodhouse und bildet damit das historische Rückgrat der Altstadt. Die Besichtigung des Castle selbst führt vorbei an der Half Moon Battery, der St Margaret's Chapel — mit dem 12. Jahrhundert die älteste erhaltene Bauwerk Edinburghs überhaupt — sowie den Kronjuwelen Schottlands, den Honours of Scotland.

Blick von der Royal Mile aufs Edinburgh Castle

Eine Woche zwischen Edinburghs georgianischer Neustadt und mittelalterlicher Altstadt, den steilen Hängen von Glen Coe und dem höchsten Berg Großbritanniens zeigt exemplarisch, wie kompakt sich schottische Geschichte, Geologie und Gegenwart auf einer einzigen Reiseroute verdichten lassen.

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