Israel
Zwischen Mittelmeerstadt, heiliger Altstadt und Totem Meer
Auf kleinstem geografischen Raum vereint Israel eine moderne Mittelmeermetropole, eine der ältesten und meistumkämpften Städte der Welt und eine Wüstenlandschaft, die den tiefsten Punkt der Erdoberfläche einschließt.
Tel Aviv
Tel Aviv wurde 1909 als moderner, gartenstadtartiger Vorort des jahrtausendealten Hafens Jaffa gegründet und wuchs binnen weniger Jahrzehnte zur größten Stadt und zum wirtschaftlichen sowie kulturellen Zentrum Israels heran. Weltweite Bekanntheit verdankt die Stadt unter anderem ihrer sogenannten „Weißen Stadt": mit über 4.000 Gebäuden im Bauhaus- beziehungsweise Internationalen Stil besitzt Tel Aviv die weltweit größte zusammenhängende Ansammlung dieser Architekturrichtung, errichtet vor allem in den 1930er Jahren von jüdischen Architekten, die vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland geflohen waren — seit 2003 zählt die Weiße Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das angrenzende Jaffa (Yafo) selbst gilt als einer der ältesten durchgehend bewohnten Hafenorte der Welt, mit einer engen Altstadt, die bereits in antiken Mythen und biblischen Erzählungen erwähnt wird.
Jerusalem
Jerusalem zählt zu den ältesten Städten der Welt und ist zugleich heilige Stadt gleich dreier monotheistischer Weltreligionen: Judentum, Christentum und Islam. Die Altstadt, seit 1981 UNESCO-Weltkulturerbe, gliedert sich traditionell in vier Viertel — ein jüdisches, ein muslimisches, ein christliches und ein armenisches — und beherbergt auf engstem Raum einige der bedeutendsten Heiligtümer der Welt: die Klagemauer als Überrest der Stützmauer des einstigen Zweiten Tempels, den Tempelberg mit dem Felsendom aus dem 7. Jahrhundert und der Al-Aqsa-Moschee, sowie die Grabeskirche, die traditionelle Stätte von Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu Christi. Kaum eine andere Stadt der Welt konzentriert religiöse, historische und politische Bedeutung auf derart engem Raum.
Wüste: Jordangrenze, En Gedi & Masada
Die Route durch die judäische Wüste führt entlang des Jordan-Grabens, jener geologischen Bruchzone, die den Jordan von seiner Quelle bis zum Toten Meer begleitet und historisch wie geografisch die Grenze zwischen Israel und Jordanien markiert.
En Gedi, eine Oase am westlichen Ufer des Toten Meeres, ist als Naturreservat bekannt für seine Wasserfälle, natürlichen Quellen sowie eine überraschend vielfältige Tierwelt mitten in der Wüste — darunter Nubische Steinböcke und Klippschliefer. Bereits in der Bibel wird En Gedi als Zufluchtsort König Davids erwähnt; archäologische Funde belegen zudem eine antike jüdische Siedlung mit einer gut erhaltenen Synagoge samt Mosaikboden.
Masada, eine Festung auf einem isolierten Felsplateau hoch über dem Toten Meer, wurde von Herodes dem Großen im 1. Jahrhundert v. Chr. als Palastfestung ausgebaut. Weltweite Bekanntheit erlangte der Ort durch die Belagerung im Jahr 73 oder 74 n. Chr., als jüdische Aufständische hier den letzten Widerstand gegen die römische Armee leisteten — der Überlieferung des Historikers Flavius Josephus zufolge endete die Belagerung mit dem kollektiven Suizid der Verteidiger, um nicht in römische Gefangenschaft zu geraten. Masada zählt seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist heute sowohl über einen alten Serpentinenpfad (Snake Path) als auch per Seilbahn erreichbar.
Baden im Toten Meer
Das Tote Meer liegt mit rund 430 m unter dem Meeresspiegel am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. Sein außergewöhnlich hoher Salzgehalt von etwa 34 Prozent — knapp zehnmal so hoch wie im gewöhnlichen Meerwasser — macht ein müheloses Treiben auf der Wasseroberfläche möglich, ganz ohne Schwimmbewegung. Die mineralreichen Schlämme des Toten Meeres werden seit der Antike für ihre vermeintlich heilsame Wirkung auf Haut und Gelenke geschätzt. Aufgrund starker Wasserentnahme aus dem Jordan zur Bewässerung schrumpft der Wasserspiegel des Toten Meeres seit Jahrzehnten kontinuierlich.
Haifa: Bahai-Gärten & Schrein
Haifa, drittgrößte Stadt Israels und wichtigster Hafen des Landes, liegt am Fuß des Karmelgebirges. Ihr bekanntestes Wahrzeichen sind die Bahai-Gärten, 19 terrassenförmig den Berghang hinaufführende Gartenanlagen, die 2008 gemeinsam mit den zugehörigen heiligen Stätten in Akko zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Im Zentrum der Anlage steht der goldkuppelige Schrein des Báb, eine der heiligsten Stätten der Bahai-Religion und Grabstätte ihres Religionsstifters. Haifa selbst dient der Bahai-Gemeinschaft weltweit als geistliches und administratives Zentrum — ungewöhnlich für eine Religion, deren Anhängerschaft überwiegend außerhalb des Nahen Ostens lebt.
Israel verdichtet auf wenigen hundert Kilometern eine Bandbreite, die man kaum für möglich hält: eine Bauhausstadt am Mittelmeer, die heiligste Altstadt dreier Weltreligionen, eine Festung, die zum Symbol letzten Widerstands wurde, und ein Meer, in dem man buchstäblich nicht untergehen kann.