Färöer-Inseln
Basaltklippen, Wasserfälle und ein Dorf, das ins Meer stürzt
Achtzehn Inseln, kaum eine Straße ohne Tunnel oder Fähre, und eine Landschaft, die zwischen steilen Basaltklippen, endlosem Grün und rauem Nordatlantik pendelt: Die Färöer-Inseln zeigen auf kleinstem Raum, wie dramatisch Natur sein kann, wenn ein ganzes Archipel praktisch nur aus Klippen besteht.
Tórshavn
Tórshavn, mit rund 13.000 Einwohnern eine der kleinsten Hauptstädte der Welt, geht auf eine Wikingersiedlung des 9. oder 10. Jahrhunderts zurück. Ihr Name bedeutet „Hafen des Thor". Das historische Herzstück der Stadt ist Tinganes, eine kleine Halbinsel mit traditionellen, rot- und schwarz geteerten Holzhäusern, auf der bereits um das Jahr 825 die Versammlungsstätte (Ting) der Färinger eingerichtet wurde — ein Ort, der bis heute als einer der ältesten noch genutzten Parlamentsstandorte der Welt gilt und in dem sich auch heute noch Teile der färöischen Landesregierung befinden.
Wanderung Tórshavn – Kirkjubøur
Die Wanderung von Tórshavn nach Kirkjubøur führt über grüne Hügel entlang der Küste zu einem der geschichtsträchtigsten Orte der Färöer. Kirkjubøur war im Mittelalter Sitz des färöischen Bischofs und damit religiöses Zentrum der Inseln. Hier stehen die Ruinen von Múrurin, einer im 14. Jahrhundert begonnenen, aber nie vollendeten Kathedrale, sowie Roykstovan, ein Wohnhaus aus dem 11. Jahrhundert, das bis heute von derselben Familie (den Patursson) bewohnt wird und als eines der ältesten noch bewohnten Holzhäuser der Welt gilt.
Nólsoy
Mit der Fähre von Tórshavn aus ist die kleine Insel Nólsoy schnell erreicht. Neben ihrem gut erhaltenen Dorf mit traditionellen Grasdachhäusern ist die Insel vor allem für ihre große Kolonie an Sturmschwalben bekannt — eine der bedeutendsten Brutkolonien dieser nachtaktiven Seevögel im Nordatlantik.
Klaksvík
Klaksvík auf der Insel Borðoy ist die zweitgrößte Stadt der Färöer und das wirtschaftliche Zentrum der Inselgruppe, geprägt von Fischerei und Fischverarbeitung. Die Christianskirkjan, 1963 errichtet, ist die markanteste Kirche der Stadt: ihr Baukörper ist bewusst in Form eines umgedrehten Wikingerschiffs gestaltet.
Kalsoy: Syðradalur, Mikladalur & Trøllanes
Die schmale, langgestreckte Insel Kalsoy erreicht man per Fähre von Klaksvík. In Mikladalur steht die Bronzestatue Kópakonan, die „Robbenfrau" — ein Denkmal zu einer bekannten färöischen Sage über eine Robbe, die sich in eine Frau verwandelt. Von Trøllanes, dem nördlichsten Dorf der Insel, führt eine bekannte Wanderung zum Leuchtturm Kallur, von dem aus sich ein weiter Blick über die steil abfallenden Klippen und die Nachbarinseln eröffnet — die Insel wurde zudem als Filmkulisse für die Bond-Produktion No Time to Die bekannt.
Gjógv & Eiði
Gjógv, dessen Name wörtlich „Schlucht" bedeutet, liegt an einer schmalen, natürlichen Felsspalte, die früher als natürlicher Bootshafen diente. Weiter nördlich liegt Eiði, von wo aus sich der berühmte Blick auf die beiden Felsnadeln Risin og Kellingin, „der Riese und die Hexe", eröffnet — laut Sage zwei versteinerte Trolle, die einst versuchten, die Färöer nach Island zu ziehen.
Miðvágur, Sørvágsvatn & Bøsdalafossur
Auf der Insel Vágar liegt Miðvágur nahe dem Sørvágsvatn, auch Leitisvatn genannt — dem größten See der Färöer. Bekannt ist er vor allem für eine optische Täuschung: Aus bestimmten Blickwinkeln wirkt der See, als schwebe er hoch über dem Meer, obwohl der tatsächliche Höhenunterschied deutlich geringer ist. Am südlichen Ende des Sees stürzt das Wasser über den Wasserfall Bøsdalafossur direkt an den steilen Klippen ins offene Meer.
Bøur & Gásadalur
Von Bøur aus, einem kleinen Dorf mit Blick auf die markanten Felseninseln Tindhólmur und Gáshólmur, führt eine bekannte Wanderung nach Gásadalur. Das Dorf war bis zur Fertigstellung eines Tunnels im Jahr 2004 nur zu Fuß über einen Bergpass erreichbar und blieb dadurch außergewöhnlich lange isoliert. Bekannt ist Gásadalur vor allem für den Wasserfall Múlafossur, der auf spektakuläre Weise direkt an der Steilküste in den Atlantik stürzt — eines der meistfotografierten Motive der Färöer überhaupt.
Suðuroy
Die Fähre nach Suðuroy führt zur südlichsten der bewohnten Färöer-Inseln, die traditionell als eigenständiger und rauer gilt als der Rest des Archipels. Die Insel ist geprägt von schroffen Klippen, kleinen Fischerdörfern und einer langen Geschichte des Walfangs sowie der Fischverarbeitung, die die südliche Insel wirtschaftlich lange von den nördlichen Inseln unterschied.
Die Färöer zeigen auf engstem Raum, wie unmittelbar Landschaft und Mythologie hier zusammengehören: ein See, der scheinbar über dem Meer schwebt, zwei Felsnadeln, die einst Trolle gewesen sein sollen, und ein Dorf, das man bis vor zwanzig Jahren nur zu Fuß über einen Pass erreichen konnte.