Amsterdam
Grachtenringe, Anne Frank und das ehemalige Werftgelände im Norden
Amsterdam auf einen Tag verdichtet: von den weltberühmten Grachten über das bedrückendste Museum der Stadt bis zu einem ehemaligen Werftgelände, das sich in den letzten Jahren zum kreativen Gegenentwurf zur touristischen Innenstadt entwickelt hat.
Grachtenring
Der Amsterdamer Grachtenring — bestehend aus Singel, Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht — wurde im 17. Jahrhundert im sogenannten Goldenen Zeitalter planmäßig angelegt, um die wachsende Handelsstadt geordnet zu erweitern. Seit 2010 zählt der halbkreisförmige Grachtengürtel zum UNESCO-Weltkulturerbe — ein seltenes Beispiel für konsequente, jahrhundertealte Stadtplanung, die bis heute das Stadtbild prägt.
Grachten im Sonnenaufgang
Anne-Frank-Haus
An der Prinsengracht 263 liegt das Anne-Frank-Haus: jenes Hinterhaus, in dem sich die jüdische Familie Frank zwischen 1942 und 1944 vor der nationalsozialistischen Verfolgung versteckt hielt, bevor sie entdeckt und deportiert wurde. Anne Franks Tagebuch, das während dieser Zeit entstand, zählt zu den meistgelesenen Zeugnissen des Holocaust weltweit. Das seit 1960 als Museum zugängliche Haus vermittelt auf engstem Raum eindringlich, unter welchen Bedingungen die Versteckten über zwei Jahre lang lebten.
Jordaan & Brouwersgracht
Westlich der Innenstadt liegt der Jordaan, ein ehemaliges Arbeiterviertel aus dem 17. Jahrhundert, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der begehrtesten Wohnviertel Amsterdams entwickelt hat — mit schmalen Gassen, kleinen Galerien und der besonders malerischen Brouwersgracht, oft als eine der schönsten Grachten der Stadt bezeichnet.
De Wallen & Oude Kerk
De Wallen, das historische Rotlichtviertel, geht auf mittelalterliche Handelsstrukturen zurück, als Seefahrer nahe den Hafenanlagen auf Vergnügungen aller Art trafen. Mitten in diesem Viertel steht, scheinbar deplatziert, die Oude Kerk: mit einem Baubeginn um 1213 das älteste erhaltene Gebäude Amsterdams, das über Jahrhunderte hinweg buchstäblich Tür an Tür mit dem gewerblichen Rotlichtviertel bestand — ein bis heute ungewöhnlicher Kontrast aus Sakralbau und Vergnügungsviertel auf engstem Raum.
Dam & Begijnhof
Der Dam, der zentrale Platz der Stadt, verdankt seinen Namen einem historischen Deich, der ursprünglich die Amstel aufstaute und damit der Stadt ihren Namen gab (Amstel-dam). Am Platz steht der Königliche Palast, ursprünglich im 17. Jahrhundert als Rathaus errichtet und erst später zur königlichen Residenz umgewidmet.
Unweit davon liegt der Begijnhof, ein kleiner, ruhiger Innenhof, der bereits im 14. Jahrhundert für die Beginen gegründet wurde — Frauen, die ein klosterähnliches, aber nicht klösterlich gebundenes Leben führten. Im Innenhof steht das Houten Huys, mit einem Baudatum um 1528 das älteste erhaltene Holzhaus Amsterdams.
NDSM & STRAAT Museum
Mit der kostenlosen Fähre erreicht man von der Innenstadt aus das NDSM-Gelände in Amsterdam-Noord, das ehemalige Werftareal der Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij. Nach der Schließung der Werft in den 1980er Jahren stand das Gelände lange leer, bevor es sich zu einem der bekanntesten Kreativquartiere der Stadt entwickelte. In einer der ehemaligen Werfthallen ist heute das STRAAT Museum untergebracht, das der internationalen Street-Art- und Graffiti-Kunst gewidmet ist.
EYE Filmmuseum & A'DAM Lookout
Am nördlichen Ufer des IJ liegt das EYE Filmmuseum, ein 2012 eröffneter, skulptural anmutender Neubau, der das niederländische Filmerbe bewahrt und ausstellt. Direkt gegenüber erhebt sich der A'DAM Tower, ein ehemaliges Bürogebäude der Shell, das seit 2016 mit einer Aussichtsplattform und einer Schaukel am Rand des Dachs — der „Over the Edge" Swing — ausgestattet ist.
Amsterdam zeigt an einem einzigen Tag, wie eng Weltoffenheit und schwere Geschichte, Goldenes Zeitalter und Gegenwartskunst hier beieinanderliegen: eine mittelalterliche Kirche mitten im Rotlichtviertel, ein Versteck aus der NS-Zeit nur wenige Gehminuten von den prächtigsten Grachtenhäusern der Stadt entfernt.