Osaka (大阪)

Küche des Reiches

Shinkansen Mizuho

Die Anreise selbst verdient einen eigenen Absatz: Der Mizuho ist neben dem Nozomi der schnellste Shinkansen-Typ auf der Sanyō- und Kyūshū-Shinkansen-Linie und hält nur an den wichtigsten Bahnhöfen. Die Strecke von Kagoshima-Chūō nach Shin-Ōsaka misst rund 900 km und zählt damit zu den längsten durchgehend befahrenen Hochgeschwindigkeitstrassen Japans — von der Spitze Kyūshūs bis mitten hinein nach Kansai, in wenigen Stunden.

Ōsaka (大阪)

Mit rund 2,7 Millionen Einwohnern in der Stadt selbst und knapp 19 Millionen im Großraum ist Ōsaka die drittgrößte Stadt Japans und das wirtschaftliche Zentrum der Kansai-Region. Historisch trug die Stadt den Beinamen Tenka no Daidokoro (天下の台所), die „Küche des Reiches" — ein Verweis auf ihre jahrhundertelange Rolle als Handelszentrum Japans. Diese Geschichte lebt bis heute fort: Ōsaka gilt als kulinarische Hauptstadt des Landes, und der Begriff kuidaore (食い倒れ), „sich beim Essen ruinieren", beschreibt treffend die ausgeprägte Esskultur seiner Bewohner.

Namba Yasaka-Schrein (難波八阪神社)

Mitten im Herzen von Namba liegt dieser Shinto-Schrein, bekannt für seine spektakuläre Shishi-mai-Bühne: ein 12 m hohes und 11 m breites Gebäude in Form eines aufgerissenen Löwenmauls. Das Maul soll symbolisch Unglück und böse Geister verschlingen und im Gegenzug Glück anziehen — eine architektonische Geste, die man so schnell nicht vergisst. Geweiht ist der Schrein dem Kami Susanoo-no-Mikoto; das jährliche Namba Yasaka Matsuri im Januar gehört zu den lebendigsten Winterfesten Ōsakas.

Dōtonbori (道頓堀) & Glico Man

Entlang des gleichnamigen Kanals erstreckt sich das Unterhaltungs- und Gastronomieviertel Dōtonbori, seit dem 17. Jahrhundert das Zentrum des Ōsaker Theaterlebens. Über allem thront die Glico-Mann-Leuchtreklame — ein Athlet mit erhobenen Armen auf blauer Laufbahn —, die seit 1935 für den Süßwarenhersteller Ezaki Glico wirbt und längst zu einem der meistfotografierten Wahrzeichen Japans geworden ist. Die heute leuchtende Version ist bereits die sechste Generation der Tafel.

Ōsaka-jō (大阪城)

1583 von Toyotomi Hideyoshi als Symbol seiner Herrschaft über ein vereintes Japan begonnen, war die Burg zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die größte des Landes. Sie stand im Zentrum der Machtkämpfe der Sengoku-Zeit: Nach Hideyoshis Tod 1598 belagerten die Tokugawa-Truppen die Burg gleich zweimal, bis sie 1615 bei der Belagerung von Ōsaka vollständig zerstört wurde. Der heutige Betonbau von 1931 mit musealem Innenausbau orientiert sich äußerlich an historischen Darstellungen, ist baulich jedoch eine moderne Konstruktion — eine Fassade der Geschichte über einem Museum der Gegenwart. Der umgebende Park liegt auf dem Gelände der ursprünglichen Burganlage.

Shitennō-ji (四天王寺)

593 von Prinzregent Shōtoku Taishi gegründet, zählt der Shitennō-ji zu den ältesten buddhistischen Tempeln Japans — und war der erste, der auf staatliche Initiative hin errichtet wurde. Sein Name verweist auf die vier himmlischen Könige (Shitennō) des buddhistischen Weltbildes. Die streng symmetrische Anlage — südliches Tōrō, Mittleres Tor, fünfstöckige Pagode und Haupthalle entlang einer Nord-Süd-Achse — gilt als frühes Muster des japanischen Tempelbaus, auch wenn die heutigen Gebäude größtenteils Nachbauten des 20. Jahrhunderts sind.

Shinsekai (新世界, „Neue Welt")

1912 als japanische Version eines modernen Vergnügungsviertels angelegt, orientierte sich der nördliche Teil Shinsekais an Paris, der südliche an Coney Island in New York. Nach dem Zweiten Weltkrieg verarmte das Viertel und galt jahrzehntelang als rau und heruntergekommen — heute ist genau dieser Kontrast Teil seines Charmes. Shinsekai ist inzwischen ein beliebtes Touristenziel mit Retro-Flair, bekannt für Kushikatsu, frittierte Spieße, und seine ikonische Turmsilhouette.

Tsūtenkaku (通天閣, „Turm, der den Himmel berührt")

Der erste Tsūtenkaku entstand 1912 als Teil des Shinsekai-Stadtplanungsprojekts, angelehnt an den Pariser Eiffelturm, wurde aber 1943 wegen kriegsbedingten Metallmangels abgetragen. Der heutige, 103 m hohe Turm stammt von 1956 und gilt als nostalgisches Wahrzeichen Ōsakas. Im obersten Stockwerk wohnt der Glücksgott Billiken — das Reiben seiner Fußsohlen soll Wünsche erfüllen, was ihnen entsprechend abgewetzt glänzend aussieht.

Sumiyoshi-taisha (住吉大社)

Der Überlieferung nach im Jahr 211 n. Chr. gegründet — noch zur Regierungszeit der legendären Kaiserin Jingū —, zählt der Sumiyoshi-taisha zu den ältesten und bedeutendsten Shinto-Schreinen Japans. Er ist Hauptschrein aller rund 2.300 Sumiyoshi-Schreine des Landes und den Kami der Meeresfahrt, des Wassers und der Dichtkunst geweiht. Sein Baustil, Sumiyoshi-zukuri (住吉造), zählt zu den ältesten rein japanischen Schreinstilen überhaupt — entstanden noch vor dem prägenden Einfluss buddhistischer Architektur. Die vier Haupthallen der Anlage sind Nationalschätze Japans. Historisch lag der Schrein unmittelbar am Meer; die heutige Küstenlinie entstand erst in der Neuzeit durch Landgewinnung.

Das bekannteste Bildmotiv der Anlage ist die Sorihashi (反橋), auch Taikobashi genannt — eine stark gewölbte rote Bogenbrücke mit einem Neigungswinkel von rund 48 Grad. Das Überqueren gilt symbolisch als Übergang vom profanen in den heiligen Bereich, was man beim tatsächlichen Erklimmen der steilen Wölbung durchaus körperlich nachvollziehen kann.

Godairiki-Steine (五大力)

Ein weniger bekannter, aber besonders schöner Brauch: Im innersten Bereich der Anlage, dem Goshogozen, liegen Tausende kleiner Kieselsteine. Drei davon tragen je ein eingestempeltes Zeichen — 五 (Go, „fünf"), 大 (Dai, „groß") und 力 (Riki, „Kraft") —, zusammen Godairiki, „fünffache große Kraft". Wer alle drei findet und sie in einem kleinen Beutel bei sich trägt, dem sollen sich Wünsche erfüllen. Geht der Wunsch in Erfüllung, kehrt man zurück, legt die Steine ins Becken zurück und bemalt selbst drei neue für den nächsten Besucher — ein stiller, generationsübergreifender Kreislauf, der ganz ohne Aufsicht oder Kontrolle funktioniert.

Sumiyoshi-Park (住吉公園)

Direkt angrenzend an den Schrein liegt dieser 1873 gegründete Park, einer der ersten öffentlichen Parks Japans im Zuge der Meiji-Modernisierung und Teil der sieben ursprünglichen staatlich angelegten Kōen, mit denen Japan öffentliche Grünflächen nach westlichem Vorbild einführte. Eine kleine kulinarische Randnotiz zum Abschluss: 1969 brachte die Firma UCC Ueshima Coffee hier den weltweit ersten Dosenkaffee auf den Markt — ursprünglich als Automatenprodukt für Pendler und Reisende gedacht. Japan ist bis heute der größte Dosenkaffee-Markt der Welt.

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