Göteborg
Hafenstadt, Schärengarten und holländisches Erbe
Von der Kanalstadt im niederländischen Stil über die autofreien Schären der Westküste bis zu Palmenhaus und Festungsturm: Göteborg, Schwedens zweitgrößte Stadt, verbindet maritime Geschichte mit einer der schönsten Schärenlandschaften Skandinaviens.
Lilla Bommen
Göteborg wurde 1621 von König Gustav II. Adolf gegründet, unter maßgeblicher Beteiligung niederländischer Stadtplaner und Kaufleute — ein Erbe, das bis heute im Kanalsystem der Innenstadt sichtbar ist. Der erste Spaziergang führt vom Zentrum zum Hafenbereich Lilla Bommen, wo historische Speicherhäuser auf moderne Bürobauten treffen, darunter der markante, spitz zulaufende Büroturm im Volksmund „Läppstiftet" (Lippenstift) genannt.
Feskekôrka & Haga
Auf dem Weg durch die Innenstadt liegt die Feskekôrka, die „Fischkirche": eine 1874 im neugotischen Stil errichtete Markthalle für Fisch und Meeresfrüchte, deren kirchenähnliche Architektur ihr den Spitznamen einbrachte, obwohl es sich nie um ein Gotteshaus handelte.
Wenig weiter liegt Haga, der älteste erhaltene Vorort Göteborgs, 1648 als Arbeitersiedlung außerhalb der damaligen Stadtmauern gegründet. Die schmalen Gassen mit ihren charakteristischen Holz- und Backsteinhäusern aus dem 19. Jahrhundert waren einst dem Verfall geweiht, wurden aber ab den 1980er Jahren saniert und zählen heute zu den beliebtesten Vierteln der Stadt — bekannt für Cafés, kleine Läden und die für Göteborg typischen, überdimensionalen Hagabullar, riesige Zimtschnecken.
Schärengarten: Styrsö, Donsö & Vrångö
Von Saltholmen aus, dem südlichen Endpunkt des Straßenbahnnetzes, verkehren Fähren in den Södra Skärgården, den Südlichen Schärengarten Göteborgs — eine Kette autofreier Inseln direkt vor der Stadt. Die Route führt über Styrsö, eine ehemalige Fischer- und Lotseninsel, per Fußgängerbrücke weiter zur Nachbarinsel Donsö, traditionell für ihre Reederei- und Fischereigeschichte bekannt, und schließlich weiter nach Vrångö, der südlichsten bewohnten Insel des Archipels, deren Aussichtspunkt einen weiten Blick über die felsige, von Fischerhütten gesäumte Schärenlandschaft bietet.
Skansen Kronan
Zurück in der Stadt führt der Weg hinauf zu Skansen Kronan, einer Festungsanlage, die zwischen 1687 und 1699 auf dem Risåsberget zur Verteidigung Göteborgs errichtet wurde — als Ergänzung zum benachbarten Skansen Lejonet. Die kronenförmige Bekrönung des runden Turms gab der Anlage ihren Namen. Heute dient der Ort vor allem als Aussichtspunkt mit Panoramablick über die Stadt.
Poseidon & Trädgårdsföreningen
Am Götaplatsen, dem zentralen Kulturplatz der Stadt vor dem Göteborgs konstmuseum, steht die Poseidon-Statue, ein 1931 vom schwedischen Bildhauer Carl Milles geschaffenes Bronzewerk, das bei seiner Enthüllung wegen der unverhüllten Darstellung des Meeresgottes für einige öffentliche Kontroversen sorgte.
Nicht weit davon liegt die Trädgårdsföreningen, ein 1842 gegründeter botanischer Stadtpark. Das Palmenhaus (Palmhuset) aus dem Jahr 1878 wurde nach dem Vorbild des Londoner Crystal Palace errichtet und beherbergt bis heute eine Sammlung mediterraner und subtropischer Pflanzen. Der angeschlossene Rosengarten zählt mit hunderten Sorten zu den größten seiner Art in Nordeuropa.
Kronhuset & Stadsmuseum
Auf dem Rückweg durch die Innenstadt liegt das Kronhuset, das älteste erhaltene weltliche Gebäude Göteborgs: zwischen 1642 und 1654 im holländischen Backsteinstil als Zeughaus und Lagerhalle errichtet. Unweit davon befindet sich das Göteborgs Stadsmuseum, untergebracht im ehemaligen Kontorhaus der Schwedischen Ostindien-Kompanie aus dem 18. Jahrhundert, das die Handelsgeschichte der Stadt mit Ostasien dokumentiert.
Göteborg zeigt sich als Stadt der Kontraste: holländisch geprägte Kanäle und Backsteinbauten im Zentrum, unmittelbar gefolgt von einer stillen, felsigen Inselwelt, die man in wenigen Fährminuten erreicht — eine Kombination aus urbaner Geschichte und maritimer Weite, wie sie nur wenige europäische Hafenstädte bieten.